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Mrz 01 2010

Johnny got his gun (Dalton Trumbo)

“Johnny, nimm deine Waffe!” Mit solchen Slogans versuchte das US-Militär junge Männer für den Krieg zu begeistern. Der erste Weltkrieg steht vor der Tür. Johnny got his gun erzählt die Geschichte vom 21-jährigen Joe Bonham, der freiwillig für die USA in den Krieg zieht. Tragischerweise wird er eines Tages im Krieg von einer Granate getroffen und wacht später wieder im Krankenhaus auf – lebend, aber auch gezeichnet durch den Krieg. Johnny wird nach und nach bewusst, dass er keine Arme und Beine mehr hat. Auch fehlen im die wichtigsten Sinnesorgane: Nase, Mund, Ohren und Augen. Aber sein Gehirn funktioniert nach wie vor einwandfrei. Nach anfänglicher Freude, noch am Leben zu sein, wird ihm klar, in welch schändlicher Lage er sich befindet. Als Torso ohne Sinnesorgane, außer der Haut, ist er einsam, allein, gefangen in seiner finsteren Welt, gefangen in seinen Erinnerungen und Gedanken. Er verliert jedes Zeitgefühl, ist sich unsicher ob er gerade träumt, oder sich im wachen Zustand befindet. Mit der Zeit lernt er jedoch mit seiner neuen Welt umzugehen. Er verbessert seine Wahrnehmung durch Spüren, spüren von Vibrationen, ausgelöst durch Schritte der Krankenschwestern. Und eines Tages, nach einigen Jahren dunklen Seins, findet er einen Weg zu kommunizieren…

Eigene Meinung

Die Geschichte wurde später in den Siebzigern verfilmt, vom Autor selbst. Für die sprachgewandten unter euch, empfehle ich die originale, englische Ausgabe des Buches.

Johnny got his gun ist ein Anti-Kriegs-Roman, und einer der herausragendsten seiner Sorte. Mit dem etwas sarkastisch gewählten Titel (“Das hast du nun davon,… jetzt hattest du endlich deine Waffe!”) bringt Dalton Trumbo es auf den Punkt. Aus welchem Grund ziehen junge Männer in den Krieg? Welchen Sinn hat das ganze? Freiheit? Demokratie? Ehre? Reichtum? Muss man sterben um zu leben? Muss man jegliche Würde verlieren, um Ehre zu erlangen? Geht es um das Heimatland? Um die Rettung eines anderen Landes? Das ganze System ist gezeichnet von Widersprüchen und Sinnlosigkeit. Und das bringt die Geschichte auf den Punkt. Nichts ist es wert, einen Krieg zwischen Menschen zu führen, gar nichts. Johnny ist der Lebendige, der tot ist. Der Tote, der lebendig ist.

Handlung findet auf den über 200 Seiten im Grunde nur wenig statt. Das meiste Aufgeschriebene, sind Gedanken, Erinnerungen. Im nicht zu düsteren Stil, wird man in die finstere Welt des gepeinigten Überlebenden geführt. Man fühlt mit, man freut sich über kleinste Verbesserungen, man kommt zum Nachdenken… Was ist wichtig im Leben? Wie viel Ballast führt man mit sich herum? Woran hängt mein Herz, und was tue ich, um die Dinge, an denen mein Herz und mein Sein hängt, zu behalten?

Sehr wertvolle Literatur! Und sicherlich einer der wichtigen Proteste gegen den Krieg. Ein Augenöffner, scharf wie ein Stacheldrahtzaun!

Die englische Ausgabe der Buches ist bei Penguin Classic erschienen. Eine deutsche Ausgabe (“Johnny zieht in den Krieg”) ist ua. bei Eichborn (nicht mehr im Sortiment) erschienen. Das deutsche Buch ist heutzutage eigentlich nur noch gebraucht zu erwerben (Preis: ca. 50 €).

englische ISBN: 978-0-141-18981-9

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