Jean-Baptiste Grenouille kommmt als Neugeborener auf die Welt, genauer gesagt in Paris. Eigenartigerweise fehlt ihm jeglicher
Eigengeruch. Doch Grenouille ist mit einem außerordentlich ausgeprägtem Geruchssinn ausgestattet. Schon als kleiner Gerberlehrling erkennt er seine Gabe, die sich gleichzeitig auch als Fluch erweisen sollte. Seine restlichen Sinne sind ihm unwichtig. Sein ganzes Dasein, sein Wahrnehmen von Dingen und Personen, seine ganze Art, alles baut auf Gerüchen auf. Er hat die Gabe Gerüche aufzunehmen, die sonst kein anderer wahrnehmen würde, Gerüche zu speichern, sie später wieder in Erinnerung zu rufen und sogar besondere Gemische, als einzelne Düfte, zusammengemischt zu einem Parfüm, wahrzunehmen.
Mit der Zeit scheint er jeden einzelnen Geruch von ganz Paris in seinem Gedächtnis gespeichert zu haben. Doch eines Tages nimmt er einen wunderbaren Duft auf, der ihm unbekannt ist, und doch so einzigartig, wunderschön in seiner Art, verzaubernd, erotisch, verführerisch und gleichzeitig keusch, unschuldig, liebenswert. Wie von Zauberhand geführt, folgt er dem himmlischen Duft. Der Weg endet bei einem jungen Mädchen. Von ihr ging der Geruch aus. Gierig und begeistert von diesem Duft, muss er ihn an sich reißen, und in seiner Euphorie bringt er das Mädchen um. Doch er muss verzweifelt feststellen, dass er keine Möglichkeit hat, den Duft des Mädchens aufzunehmen, außer in seinem Gedächtnis, denn er verflüchtigt sich mit ihrem Tod. Er erkennt, dass er lernen muss, einen Geruch für immer aufzubewahren, und so wird er sich von diesem Moment an sein restliches Leben lang nach diesem Geruch sehnen und eine Möglichkeit suchen, ihn zu konservieren. Diese Gier ist so stark, dass sie ihn zum Überleben zwingt.
Die Geschichte von Grenouille führt uns in dem Roman bis zum letzten Ort in Grasse. Dort lernt er als Parfümeursgeselle das Konservieren von Düften, bewegungsloser und toter Materie, beispielsweise eines Steines, eines Glases oder in Grenouilles Vorstellung, gar eines Menschen. Um sich selber endlich einen Eigengeruch zu beschaffen, gemischt vom besten Parfümeur der Welt, ihm selbst, geht er daran, das wunderbarste Parfüm, ein liebenswertes, ja gottgleiches Gemisch zu erstellen. Dafür braucht er aber bestimmte Zutaten, nämlich die Düfte von wunderschönen, jungen Mädchen…
Eigene Meinung
Genial bis zum Schluss! Seit vielen Jahrzehnten ist es einem deutschen Autor erneut gelungen, mit seinem Werk die gesamte Welt förmlich an das Buch zu fesseln. Über 300 Wochen verblieb der Roman in den Bestsellerlisten und bleibt bis heute eines der meist- und gerngelesensten Werke der Deutschen.
Neben der genialen Idee einen Roman zu schreiben, der allein Gerüche in den Mittelpunkt stellt und alle anderen Sinne irrelevant darstellt, ja gar nutzlos, gefiel mir Patrick Süskinds sehr einfallsreicher Schreibstil. Wer einen Roman über Gerüche, Düfte und Gestank schreibt, muss zwangsweise sehr, sehr viele Adjektive in der Richtung kennen. Und Patrick Süskind kennt sie. Es war eine wahre Freude das Buch zu lesen und die große Artenvielfalt in der Natur der Pflanzen, Gerüche, Parfüms kennenzulernen. Auch sehr interessant war die Einsicht in die Arbeit eines Parfümeurs. Wie entsteht ein Parfüm? Wie speichert man Gerüche?
Zweifellos ein Meisterwerk eines deutschen Schriftstellers und Drehbuchautors! (Das Buch wurde 2006 verfilmt)
Der Roman ist bei Diogenes erschienen und kostet 9,90 €.
ISBN: 978-3-257-22800-7
Tags: duft, frankreich, geruch, mädchen, mörder, nase, parfüm, sinne